Better Done Than Perfect: Wie Prokrastination uns als Freelancer ausbremst – und was mein Pferd mich darüber gelehrt hat

Wenn du mich kennst, weißt du, dass ich ein großer Tierfreund bin. Tiere sind für mich nicht einfach nur Begleiter, sie bringen mich oft zu Erkenntnissen, die ich so im Alltag niemals bekommen würde. Neulich hatte ich wieder eine Trainingsstunde mit meinem Pferd – und genau dort hat es Klick gemacht. Ein Erlebnis, das nicht nur etwas mit Reiten zu tun hat, sondern erstaunlich viel mit dem Business und damit, wie wir als Freelancer oder kleines Einzelunternehmen bestehen können.
Ein einfacher Zirkel – und ein Kopf voller Gedanken
Die Aufgabe war simpel: einen runden, sauberen Zirkel zu reiten. Einen Kreis. In einer flotten, zügigen Gangart, gesund erhaltend fürs Pferd. Doch statt mich einfach darauf zu konzentrieren, waren tausend Gedanken in meinem Kopf: Mache ich es richtig? Bin ich feinfühlig genug? Sitze ich korrekt? Reite ich präzise genug? Was, wenn…?
Mein Kopfkino lief auf Dauerschleife. Und genau das passiert vielen von uns im Business.
Overwhelm, Vergleiche, Erwartungen – und der Weg in die Prokrastination
Gerade als Freelancer hat man schnell das Gefühl, allem gerecht werden zu müssen: Trends, Erwartungen, Konkurrenz, Aufgabenlisten. Der Overwhelm ist riesig. Und wenn der Fokus komplett verloren geht, passiert das, was fast jeder Selbstständige kennt: Prokrastination. Nach dem Motto: “Es gibt viel zu tun, lassen wir es sein.”
Wir schieben Aufgaben vor uns her, nicht weil wir faul sind, sondern weil die Menge der Themen uns überfordert. Der Berg wirkt zu groß, also starten wir gar nicht erst.
Die überraschend einfache Lösung aus dem Reittraining
In meiner Reitstunde kam die Lösung in einer Form, die so banal klang und doch so kraftvoll war: ein großes Ziel festlegen und in viele kleine Zwischenziele zerlegen und niemals ablenken lassen.
Mein großes Ziel war der runde Kreis. Aber um dort hinzukommen, muss ich nicht den ganzen Kreis im Blick behalten. Ich muss nur den nächsten Punkt anreiten. Erst wenn ich dort angekommen bin, suche ich mir den nächsten Punkt. So entsteht Schritt für Schritt ein sauberer Zirkel.
Und genau so funktioniert Business. Wenn wir ständig nur an das riesige Ziel denken, was wir erreichen wollen, kann das ganz schön überfordert sein. Bei mir was damals vor allem mein Marketing. Was sollte man nicht alles anstellen, um Kunden zu gewinnen.
Es wurde auch ständig ein neue Trend vorgeschlagen, was wir Freelancer doch alles machen müssen.
Better Done Than Perfect: Perfektionismus als unsichtbarer Feind
Gerade kreative Dienstleister kennen ihn: Perfektionismus, alle Marketingmaterialien sollen super schick aussehen und alles ganz durchdacht.
Allerdings: Wir posten gegen Agenturen und Firmen an, die riesige Teams haben. Wir vergleichen uns mit Unternehmen, die Menschen beschäftigen, die Vollzeit Social Media machen. Kein Wunder, dass wir manchmal denken: „Das bekomme ich nie so perfekt hin.“
Aber Perfektion frisst Zeit. Und Zeit ist im Einzelunternehmen eine begrenzte Ressource. Natürlich rutscht mal ein Schreibfehler durch. Natürlich könnte das Design schöner sein. Natürlich wäre es nett, wenn jedes Posting poliert wäre.
Doch here’s the truth: So what?
Wir sind Menschen. Wir haben nicht fünf Korrekturschleifen oder ein Team, das alles überprüft. Für mich lege ich daher fest: Better done than perfect. Denn Dinge, die du veröffentlichst, bewegen etwas. Dinge, die du aus Angst nie online stellst, bringen dich keinen Schritt weiter. Vielleicht findet sich auch hier ein Rechtschreibfehler oder sonst etwas, was in mehreren Korrekturschleifen aufgefallen wäre, aber dann ist es so. Überlege für dich, was besser ist: Nichts machen, aus Sorge um Fehler oder machen, sichtbar werden und den Mut zur Lücke aufbringen.
Ohne klare Ziele übernehmen andere das Steuer
Wenn ich beim Reiten nicht ganz genau weiß, auf welcher Linie ich bleiben möchte, sucht sich mein Pferd seinen eigenen Weg. Und meistens ist das nicht der, den ich mir vorgestellt habe.
Im Business ist es dasselbe: Hast du kein klares Ziel, bestimmen Trends, andere Menschen oder äußere Umstände, wohin du gehst. Du läufst Dingen hinterher, die vielleicht gar nicht zu dir passen. Deshalb sind klare Ziele so wichtig. Und noch wichtiger ist es, diese Ziele realistisch aufzuteilen.
Willst du ein neues Tool lernen? Dann plane jede Woche zwei Stunden ein. Schritt für Schritt. Genau wie beim Lesen eines Buches: Du verschlingst es nicht auf einmal, sondern Seite für Seite.
Bei mir war das damals mit dem Webdesign genauso wie bei so vielen anderen Dingen im Business. Ich wollte unbedingt richtig gut in WordPress werden – ich hatte es mir richtig in den Kopf gesetzt –, aber gleichzeitig hatte mich der Gedanke mich mit der ganzen Technik auseinanderzusetzen auch überfordert. WordPress wirkte für mich einfach riesig, schwer, unübersichtlich und komplex. Und ehrlicherweise: Damals war es das auch. Es gab weder die Builder, die heute jeder nutzt, wie Divi oder Elementor, noch die Menge an Kursen, Anleitungen oder Tutorials, die man heute überall findet.
Ich habe unglaublich viel Zeit investiert, weil ich alles mühsam selbst herausfinden musste. Jede kleine Einstellung hat gefühlt ewig gedauert. Und weil mir das alles so gigantisch vorkam, habe ich es irgendwann komplett sein lassen und mich erstmal auf andere Tools konzentriert. Aus heutiger Sicht weiß ich: Das war totaler Quatsch.
Denn egal ob WordPress, Marketing, Sichtbarkeit oder irgendein anderes Thema – du lernst es nicht durch riesige Sprünge, sondern durch kleine Schritte. Du machst etwas, wiederholst es, probierst aus, wirst sicherer … und plötzlich ist es nicht mehr schwer. Genau das ist der Punkt: Wiederholung festigt. Und du wächst automatisch hinein.
Wenn du dir heute Zeit sparen möchtest, dann kannst du übrigens genau dafür meinen Kurs nutzen. Den hätte ich mir damals auch gewünscht. Aber selbst wenn du es völlig allein angehen willst: Es wird leichter. Schritt für Schritt.
Der Vergleich mit anderen – ein unterschätzter Prokrastinations-Auslöser
Ein Klassiker: Du möchtest ein YouTube-Video aufnehmen, öffnest die Plattform – und sie schlägt dir sofort zehn Konkurrenten vor. Hochprofessionell, perfekt produziert, mega erfolgreich. Und plötzlich bist du eingeschüchtert. Anstatt loszulegen, machst du gar nichts. Kenn ich.
Das kenne ich. Ich war am Anfang total überwältigt und habe mich ständig gefragt: Was ist denn jetzt eigentlich die richtige Strategie? Muss ich über Instagram irgendwelche blöden DMs verschicken? Soll ich Kunden anrufen? E-Mails raushauen? LinkedIn-Akquise machen? Anzeigen auf Google oder Facebook schalten? Oder wäre ein Blog vielleicht doch besser? Und brauche ich jetzt eigentlich auch noch TikTok, LinkedIn und Xing?
Ich hatte keine Ahnung. Und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass alle anderen ganz genau wissen, wie es läuft. Also dachte ich automatisch: Andere machen das doch auch so, oder? Und genau da beginnt dieses Karussell aus Vergleichen, Zweifel und Chaos, aus dem man kaum rauskommt.
Heute weiß ich: Niemand hat am Anfang einen klaren Plan. Jeder tastet sich Schritt für Schritt ran. Und das ist völlig okay.
Vergleich ist nur dann hilfreich, wenn er bewusst passiert. Abonniere nicht ungefiltert alle Konkurrenten. Schau hinein, wenn du Inspiration brauchst, nicht wenn dein Selbstwert gerade wackelt. Viel gesünder ist der Vergleich mit dir selbst: Wo warst du vor einem Monat? Vor drei Monaten? Vor einem Jahr? Dort siehst du Fortschritt. Und Fortschritt motiviert und Motivation ist die beste Medizin gegen Prokrastination.
Zu viele Ziele gleichzeitig ist der sichere Weg in den Stillstand
Vielleicht hast du dir sogar klar definierte Ziele gesetzt, fühlst dich nicht eingeschüchtert, und bist motiviert. Aber dann packst du zehn Ziele gleichzeitig auf deine Liste. Denn, du findest ja alles wichtig. Ich neige leider auch dazu, meine To do -Liste viel zu voll zu knallen.
Auf dem Pferd wäre das, als würde ich gleichzeitig meinen Sitz korrigieren, meine Hände verändern, die Beine anders einsetzen und die Linie halten wollen. Unmöglich.
Im Business genauso: Ein Hauptziel. Wenige Nebenziele. Fokus. Nicht alles gleichzeitig und nicht zu viel auf einmal.
Überlege dir, was wirklich dein Hauptziel ist. Nicht zehn Ziele gleichzeitig, sondern das eine, das dich dieses Jahr wirklich weiterbringt. Natürlich ist es gut, viel zu wollen – das zeigt ja, dass du motiviert bist. Aber bleib realistisch und überleg dir, was du tatsächlich gerade stemmen kannst.
Ich würde dir unbedingt empfehlen, einen Jahresplan zu machen. Schreib dir auf, was du im Laufe des Jahres erreichen möchtest, und gliedere diese großen Ziele in Lebensbereiche oder Prioritäten. Und dann gehst du eine Ebene tiefer: Was bedeutet das für die nächsten Quartale? Für die einzelnen Monate? Vielleicht sogar für jede Woche?
Wenn du einmal siehst, wie sich ein großes Ziel logisch herunterbrechen lässt, merkst du schnell: Es ist gar nicht so riesig. Es ist nur eine Sammlung kleiner Schritte.
Und genau dann kannst du auch besser einschätzen, ob dein Jahr vielleicht noch Platz für ein weiteres großes Ziel hat – oder ob du erstmal mit einem starten solltest, um dir nicht zu viel auf einmal aufzuhalsen.
Denn wenn du alles gleichzeitig willst, passiert nur eins: Du überforderst dich. Und dann startet nicht nur die Prokrastination, sondern auch deine komplette Motivation geht den Bach runter. Du hast dann ständig das Gefühl, du rennst deinen eigenen Erwartungen hinterher – und genau das ist der Punkt, an dem viele ihre Lust am Business verlieren.
Mach es dir leichter. Weniger Ballast, mehr Fokus.
Wir sind Menschen – und Selbstständigkeit ist Arbeit
Manchmal brauchen wir den Reminder, dass wir nicht perfekt sein müssen. Dass wir Menschen sind. Dass wir unser Bestes geben. Ein Business besteht nicht aus drei Stunden Arbeit pro Woche, wie es manche “Berater” verkaufen wollen. Die Realität ist anders. Und das ist nicht schlimm.
Denn Selbstständigkeit bedeutet auch Freiheit, Gestaltungsmöglichkeiten, Zufriedenheit und echte Chancen. Und es lohnt sich, weiterzugehen, nicht stehen zu bleiben, Business Aufbau ist ein Marathon und kein Sprint. Und da darf man sich auch Pausen gönnen, was dann bewusst einen Auszeit ist und keine Prokrastination durch Überforderung.
Vielleicht brauchst du genau diese Worte heute
Vielleicht liest du das hier gerade, weil du genau diesen Impuls heute gebraucht hast. Deshalb möchte ich dir zum Schluss das Wichtigste mitgeben:
Lass dich nicht entmutigen. Geh deinen Weg. Schau auf deinen Kreis, auf deinen nächsten Punkt. Nicht nach links, nicht nach rechts.
Du musst nicht perfekt sein. Du musst nur weitermachen.
Und ich bin mir sicher, du machst das richtig gut.
0€ Website Checkliste für deine Planung
Dieser Artikel ist von
Caroline Drblik
Ich bin Caroline Drblik, Webdesignerin für Dienstleisterinnen, Coaches und Trainerinnen wie dich – wenn dir eine ästhetische Website wichtig ist, die deinen persönlichen Stil widerspiegelt und deine Expertise unterstreicht.
